Das Getting Ready – die Vorbereitungsphase am Hochzeitsmorgen – gehört zu den emotionalsten und intimsten Momenten des gesamten Hochzeitstages. Hier passiert so vieles gleichzeitig: Die letzten Handgriffe an Kleid und Frisur, das nervöse Lachen, die Tränen, die Umarmungen zwischen Braut und Mutter, dem Bräutigam und seinen Trauerzeugen. Es ist der Moment, bevor die grosse Bühne beginnt – roh, echt und voller Gefühl. Als Hochzeitsfotograf, der regelmässig Hochzeiten in Luzern und der Zentralschweiz begleitet, ist das Getting Ready einer meiner liebsten Teile des Tages – und gleichzeitig fotografisch einer der herausforderndsten.
In diesem Artikel erkläre ich dir alles, was du wissen musst, um entspannte, natürliche und ausdrucksstarke Getting-Ready-Fotos zu bekommen – egal ob du die Braut bist, der Bräutigam oder der Fotograf selbst. Wenn du noch auf der Suche nach dem richtigen Fotografen für euren grossen Tag bist, empfehle ich dir meinen Artikel Hochzeitsfotograf Luzern: Was du vor der Buchung wissen solltest, wo ich die wichtigsten Fragen rund um die Fotografenwahl beantworte.
Warum Getting Ready Fotos wertvoll sind
Viele Paare denken beim Stichwort «Hochzeitsfotos» zuerst an das Paarshooting nach der Trauung oder die Gruppenfotos mit Familie und Freunden. Das Getting Ready wird oft als Nebensache betrachtet – ein paar Schnappschüsse beim Schminken, mehr nicht. Das ist ein grosser Fehler. Denn die Vorbereitungsphase ist der einzige Moment des Tages, an dem jede der beteiligten Personen noch ganz bei sich ist: unbeobachtet von den Gästen, in einem privaten Raum, mit den engsten Menschen.
Die emotionalen Höhepunkte des Getting Ready – das erste Mal, dass die Braut ihr Kleid anlegt und die Mutter Tränen in den Augen hat; der Bräutigam, der mit zitternden Händen die Krawatte bindet und der beste Freund lacht; das stille Innehalten kurz bevor alles losgeht – diese Momente kann man nicht wiederholen. Und wenn sie fotografiert werden, werden sie zu den Bildern, bei denen Hochzeitspaare Jahre später noch schlucken müssen.
Den richtigen Raum vorbereiten: Licht ist alles
Der häufigste Grund, warum Getting-Ready-Fotos nicht so werden, wie man sich das wünscht, ist nicht mangelndes Talent des Fotografen – es ist schlechtes Licht im Raum. Hotelzimmer, Bridal Suites und Wohnungen haben oft eine Mischung aus Kunstlicht-Quellen (warme Glühbirnen, Neonröhren, Spotlights), die unterschiedliche Farbtemperaturen erzeugen und Fotos orangestichig oder gelblich wirken lassen.
Mein wichtigster Tipp für das Getting Ready: Wähle den Raum, den du für die Vorbereitung nutzt, bewusst nach dem Licht aus. Wenn möglich, nutze ein Zimmer mit einem grossen Fenster an der Nordseite (indirektes, gleichmässiges Tageslicht) oder bereite dich in der Nähe eines solchen Fensters vor. Schalte alle Kunstlichtquellen aus – das Tageslicht allein reicht meistens aus und erzeugt ein natürliches, weiches Licht, das Haut und Farben wunderschön wiedergibt. Wenn du in einem Hotel heirats, informiere deinen Fotografen im Voraus über den Raum, damit er sich vorbereiten kann.
Falls das Getting Ready in einer Wohnung stattfindet, räume den Bereich rund ums Fenster frei und sorge dafür, dass keine störenden Gegenstände im Hintergrund stehen – Kleiderhaufen, Koffer oder leere Gläser lenken ab. Ein aufgeräumter, heller Raum macht nicht nur das Leben des Fotografen einfacher, er hilft auch dir, entspannter zu sein.
Die Details nicht vergessen: Kleid, Ringe, Schuhe
Bevor die eigentliche Vorbereitung beginnt, ist es Tradition und gute Praxis, alle wichtigen Details zu fotografieren: das Kleid auf einem Kleiderbügel an einer schönen Stelle aufgehängt, die Schuhe nebeneinandergestellt, der Schmuck ausgebreitet, die Ringe auf einem schönen Untergrund, das Parfum, die Einladung, der Blumenstrauss – all das sind kleine, aber wichtige Bildelemente, die die Geschichte des Tages vervollständigen.
Für diese Detail-Aufnahmen braucht ihr kein aufwändiges Setup. Ein Fensterbrett mit gutem Licht, ein Tablett, ein Buch oder ein schönes Stück Stoff als Untergrund reichen vollkommen. Was wichtig ist: Legt die Details bereit, bevor der Fotograf kommt. Wenn er ankommen muss und das Kleid noch im Kleiderkarton liegt, verliert ihr wertvolle Zeit und er muss Fotos machen, während er gleichzeitig den Raum einrichtet – das ist für niemanden ideal.
Besonders schön sind Detail-Fotos, die eine Beziehung zwischen den Objekten zeigen: der Brautschleier neben dem Blumenstrauss, der Verlobungsring auf dem Kleid, die Schuhe der Braut neben den Schuhen der Mutter. Solche Bilder erzählen Geschichten ohne einen einzigen Menschen zu zeigen.
Ankleiden: Der emotionalste Moment des Morgens
Das Ankleiden – besonders das erste Anlegen des Hochzeitskleids – ist der absolute emotionale Höhepunkt des Getting Ready. In diesem Moment kommt zusammen, wofür man Monate oder sogar Jahre geplant hat. Das Kleid, das man sich ausgesucht hat, sitzt nun auf dem Körper, und die Person im Spiegel sieht tatsächlich wie eine Braut aus. Für die meisten Bräute ist das ein überwältigender Moment – und für die Mütter, Schwestern und Freundinnen im Raum oft noch mehr.
Als Fotograf positioniere ich mich in dieser Szene so, dass ich sowohl die Braut als auch die Reaktionen der Menschen um sie herum einfangen kann. Die Mutter, die das Kleid zuknöpft und dabei Tränen zurückhält, ist oft das stärkste Bild des ganzen Tages. Für diese Aufnahmen brauche ich Freiraum – ich muss mich bewegen können, ohne zu stören. Bitte achte darauf, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Raum sind, wenn das Kleid angelegt wird. Fünf Personen, die sich um die Braut scharen, machen gute Fotos fast unmöglich.
Beim Bräutigam und seinem Begleitung ist das Getting Ready oft weniger emotional, aber nicht weniger interessant. Das Anlegen des Anzugs, das Binden der Krawatte oder Fliege, das Anstecken des Boutonnieres, die letzten Witze mit den Jungs – all das ergibt authentische, entspannte Bilder von Männern in einem seltenen Zustand zwischen Ruhe und freudiger Anspannung.
Die richtige Gruppenkomposition beim Getting Ready
Beim Getting Ready sollten nur die engsten Vertrauenspersonen dabei sein: für die Braut typischerweise Mutter, Schwester, Trauzeugin – maximal vier bis fünf Personen. Je mehr Menschen im Raum sind, desto schwieriger wird es, authentische und intime Momente festzuhalten, und desto grösser ist das Chaos. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Ablenkungen, mehr Gespräche und weniger Fokus auf das, was gerade passiert.
Wenn möglich, plane das Getting Ready von Braut und Bräutigam an verschiedenen Orten – so kann der Fotograf die Morgenstunden aufteilen und beide Seiten dokumentieren. Ein zweiter Fotograf kann dabei grosse Entlastung bringen und sicherstellen, dass keine wichtigen Momente verpasst werden. Ob du einen zweiten Fotografen brauchst und was das kostet, bespreche ich in meinem Artikel Hochzeitsfotograf Luzern: Was du vor der Buchung wissen solltest.
Timing: Wie viel Zeit du für das Getting Ready einplanen solltest
Eines der häufigsten Probleme, das ich als Hochzeitsfotograf erlebe, ist Zeitdruck beim Getting Ready. Es gibt immer etwas, das länger dauert als geplant – die Haare, die Schminke, der Reissverschluss, der nicht zugeht. Wenn dann der Fotograf erst eine halbe Stunde vor der Abfahrt zur Trauung ankommt, bleibt für die schönsten Bilder schlicht keine Zeit mehr.
Meine Empfehlung: Plane für das Getting Ready mindestens 1,5 bis 2 Stunden ein, in denen ich dabei sein kann. Das gibt genug Puffer für die Detail-Aufnahmen, das eigentliche Ankleiden, die emotionalen Momente und eine kurze Verschnaufpause vor der Abfahrt. Kommuniziere mit deinem Visagisten und Coiffeur, wann du fertig sein möchtest – und dann rechne 30 Minuten Puffer dazu.
Besonders für den Bräutigam und seine Begleitung gilt: Lieber 45 Minuten zu früh fertig sein und entspannt ein Glas Wasser trinken, als gehetzt in den Bus zu springen. Entspanntheit vor der Trauung ist nicht nur für die Gesundheit gut – sie ist auch auf den Fotos sichtbar.
Das First Look: Wenn Braut und Bräutigam sich zum ersten Mal sehen
Der «First Look» – der bewusst inszenierte, private erste Blick zwischen Braut und Bräutigam vor der Trauung – ist eine Tradition, die aus der amerikanischen Hochzeitsfotografie kommt und auch in der Schweiz immer beliebter wird. Dabei sehen sich die beiden nicht zum ersten Mal im Gang der Kirche oder beim Standesamt, sondern an einem ruhigen Ort, der nur für sie und den Fotografen zugänglich ist.
Der Vorteil des First Look ist enorm: Die erste Reaktion des Bräutigams, wenn er seine Braut sieht – das Strahlen, die Tränen, das Stottern – ist einer der authentischsten Momente des ganzen Tages. Und weil er privat ist, könnt ihr beide diesen Moment wirklich fühlen, ohne hundert Augenpaare auf euch gerichtet zu spüren. Ausserdem ermöglicht ein First Look, das Paar-Shooting auf nach der Trauung zu verschieben, wenn die Adrenalin-Hochzeit vorbei ist und ihr entspannter seid.
Für das Paar-Shooting nach der Trauung und die schönsten Locations in Luzern findest du alle Informationen in meinem Artikel Hochzeitsfotos Luzern: Die schönsten Locations für euer Paarshooting.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann sollte der Fotograf beim Getting Ready ankommen?
Ich empfehle, den Fotografen mindestens 1,5 bis 2 Stunden vor der Abfahrt zur Trauung ankommen zu lassen. So bleibt genug Zeit für Detail-Aufnahmen, das Ankleiden und alle emotionalen Momente ohne Zeitdruck.
Soll das Kleid schon fertig auf einem Kleiderbügel hängen, wenn der Fotograf kommt?
Ja, am besten an einem schönen Ort in der Nähe eines Fensters. Das ist eine der wichtigsten Vorbereitungen für gute Getting-Ready-Fotos. Lege auch alle anderen Details – Ringe, Schmuck, Schuhe, Blumenstrauss – bereit, bevor der Fotograf kommt.
Wie viele Personen sollten beim Getting Ready dabei sein?
Maximal vier bis fünf Personen – die engsten Vertrauenspersonen. Zu viele Menschen im Raum machen es schwierig, intime und authentische Momente zu fotografieren. Bitte informiere grössere Gruppen freundlich, dass sie etwas Abstand halten.
Was tun, wenn das Hotelzimmer schlecht beleuchtet ist?
Schalte alle künstlichen Lichtquellen aus und nutze das Tageslicht vom Fenster. Stelle dich und wichtige Momente möglichst nahe am Fenster auf. Ein guter Fotograf kann auch mit schwierigem Licht umgehen – informiere ihn vorab über die Raumverhältnisse.
Lohnt sich ein First Look?
Aus fotografischer Sicht fast immer – ja. Der First Look ermöglicht authentische Reaktionen in einer privaten Atmosphäre und gibt euch die Möglichkeit, einen Teil des Paar-Shootings entspannter anzugehen. Ob er zu eurer Hochzeitsphilosophie passt, müsst ihr als Paar entscheiden.
Sollen Handy-Fotos von Freunden beim Getting Ready erlaubt sein?
Ich empfehle, Handy-Fotos von Gästen beim Getting Ready zu begrenzen – besonders beim Ankleiden. Wenn jeder im Raum sein Handy zückt, entsteht ein unruhiges Durcheinander, und die emotionalen Momente werden durch aufgehaltene Handys verdeckt. Bittet eure Gäste, in diesen Momenten das Handy wegzulegen und den Moment zu geniessen – die Fotos macht der Profi.