Fotografie Spickzettel: Tipps und Werte für Fotografen

von Roman Beer
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Kamera und Notizbuch mit Skizzen zu Blende und Belichtung auf dunklem Holztisch

Du stehst vor einem Motiv, das Licht verändert sich, und plötzlich ist die Frage da: Welche Blende? Wie lang darf ich belichten? Reicht ISO 800 noch? Genau für diese Momente ist dieser Fotografie Spickzettel gedacht. Er fasst die wichtigsten Werte, Faustregeln und Einstellungen so zusammen, dass du sie unterwegs in Sekunden findest.

In meinen Smartphone- und Kamera-Workshops sehe ich immer wieder dasselbe: Das Wissen ist eigentlich da, aber im entscheidenden Moment fehlt der schnelle Zugriff. Deshalb sind die Inhalte hier bewusst knapp gehalten – Tabellen statt Theorie. Wenn du ein Thema vertiefen willst, findest du bei jedem Abschnitt den passenden Grundlagenartikel.

Tipp: Speichere dir diese Seite als Lesezeichen auf dem Smartphone oder mach dir Screenshots der Tabellen. So hast du den Spickzettel auch ohne Empfang dabei.

Belichtungsdreieck: Die drei Stellschrauben

Jede Belichtung entsteht aus drei Werten: Blende, Verschlusszeit und ISO. Veränderst du einen Wert um eine volle Stufe, musst du einen anderen um eine Stufe ausgleichen, damit die Helligkeit gleich bleibt. Eine Stufe bedeutet immer: doppelt oder halb so viel Licht. Ausführlich erklärt ist das im Beitrag Belichtungsdreieck einfach erklärt.

WertSteuert Licht überKreative WirkungNebenwirkung
Blende (f-Zahl)Öffnung im ObjektivSchärfentiefeKleine f-Zahl = wenig Schärfentiefe
VerschlusszeitDauer der BelichtungBewegung einfrieren oder verwischenLange Zeit = Verwacklungsgefahr
ISOVerstärkung des SensorsignalsKaum kreativHohe ISO = mehr Bildrauschen

Volle Stufen auf einen Blick

StufeBlendeVerschlusszeitISO
mehr Lichtf/1.41/30 s3200
f/21/60 s1600
f/2.81/125 s800
f/41/250 s400
f/5.61/500 s200
weniger Lichtf/81/1000 s100

Lies die Tabelle so: Von f/4 auf f/2.8 kommt doppelt so viel Licht auf den Sensor. Damit kannst du die Verschlusszeit von 1/250 s auf 1/500 s verkürzen oder die ISO von 400 auf 200 senken.

Blende: Welche f-Zahl für welches Motiv?

Die Blende entscheidet vor allem darüber, wie viel im Bild scharf ist. Kleine f-Zahl heisst grosse Öffnung, viel Licht und wenig Schärfentiefe. Grosse f-Zahl heisst kleine Öffnung, wenig Licht und viel Schärfentiefe. Mehr dazu im Artikel Blende einfach erklärt.

MotivEmpfohlene BlendeWarum
Einzelporträt mit unscharfem Hintergrundf/1.4 – f/2.8Person hebt sich klar ab
Porträt mit zwei Personenf/2.8 – f/4Beide Gesichter bleiben scharf
Gruppenfotof/5.6 – f/8Mehrere Reihen in der Schärfe
Landschaft und Architekturf/8 – f/11Vorder- bis Hintergrund scharf, beste Abbildungsleistung
Produkt und Detailf/8 – f/16Genügend Tiefe bei kurzer Distanz
Nachtaufnahme mit Sternenso offen wie möglichMaximales Licht

Ab etwa f/16 nimmt die Gesamtschärfe durch Beugung wieder ab. Wenn du maximale Schärfentiefe brauchst, ist f/11 meist der bessere Kompromiss. Wie Blende, Fokus und Schärfentiefe zusammenhängen, liest du in Blende, Fokus, Schärfentiefe.

Verschlusszeit: Bewegung einfrieren oder zeigen

Die Verschlusszeit bestimmt, wie Bewegung im Bild aussieht – sowohl die des Motivs als auch deine eigene.

Faustregel gegen Verwackeln

Fotografierst du aus der Hand, sollte die Verschlusszeit mindestens 1 geteilt durch die Brennweite betragen. Bei Kameras mit kleinerem Sensor rechnest du die Brennweite mit dem Cropfaktor um.

  • 50 mm an Vollformat: mindestens 1/50 s
  • 50 mm an APS-C (Cropfaktor 1.5): mindestens 1/80 s
  • 200 mm an Vollformat: mindestens 1/200 s

Ein Bildstabilisator im Objektiv oder in der Kamera verschafft dir je nach System mehrere Stufen Spielraum. Er hilft aber nur gegen deine Bewegung, nicht gegen die des Motivs.

Richtwerte nach Motiv

MotivVerschlusszeit
Fliessendes Wasser seidig weich1/2 s bis mehrere Sekunden (Stativ)
Mitzieher bei Velo oder Auto1/30 – 1/60 s
Spaziergänger, ruhige Porträts1/125 – 1/250 s
Kinder und Hunde in Bewegung1/500 – 1/1000 s
Sport, z. B. Fussballab 1/1000 s
Vögel im Flugab 1/2000 s

Tipps speziell für das Spielfeld findest du im Beitrag zur Fussballfotografie.

ISO: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

ISO ist die letzte Stellschraube. Erhöhe sie erst, wenn Blende und Verschlusszeit ausgereizt sind. Moderne Kameras liefern auch bei hohen Werten brauchbare Ergebnisse – wie weit du gehen kannst, hängt stark von deinem Sensor ab. Teste deine eigene Schmerzgrenze einmal bewusst, dann weisst du es im Ernstfall. Mehr im Artikel ISO-Wert einfach erklärt.

LichtsituationISO-Bereich
Sonniger Tag draussen100 – 200
Bewölkt oder im Schatten200 – 800
Heller Innenraum800 – 1600
Dämmerung, Kirche, Konzert1600 – 6400
Sternenhimmel3200 – 6400

Sunny-16-Regel

Für einen sonnigen Tag ohne Belichtungsmesser gilt: Blende f/16, Verschlusszeit gleich 1 geteilt durch den ISO-Wert. Bei ISO 100 also f/16 und 1/100 s (oder die nächste Stufe 1/125 s). Von dieser Basis aus kannst du in Stufen umrechnen, etwa auf f/8 und 1/500 s.

Weissabgleich: Kelvin-Werte zum Nachschlagen

Der Weissabgleich sorgt dafür, dass Weiss auch weiss aussieht. Im RAW-Format kannst du ihn später verlustfrei anpassen, bei JPEG solltest du ihn schon in der Kamera richtig setzen. Hintergründe im Artikel Weissabgleich einfach erklärt und zur Formatfrage in RAW vs. JPG.

LichtquelleFarbtemperatur ca.
Kerzenlicht1900 K
Glühbirne, warmes LED2700 – 3200 K
Sonnenauf- und -untergang3000 – 4000 K
Tageslicht Mittag5200 – 5500 K
Blitzca. 5500 K
Bewölkter Himmel6000 – 6500 K
Schatten bei blauem Himmel7000 – 8000 K

Brennweite: Welches Objektiv wofür?

Die Brennweite bestimmt Bildwinkel und Perspektive. Die Angaben beziehen sich auf Vollformat. Vertiefung im Beitrag Brennweite einfach erklärt.

BrennweiteTypischer Einsatz
14 – 24 mmLandschaft, Architektur, Innenräume
35 mmReportage, Street, Umgebungsporträt
50 mmAllrounder, natürliche Perspektive
85 – 135 mmKlassisches Porträt, schmeichelhafte Proportionen
200 mm und mehrSport, Tiere, Details aus der Distanz

Einstellungen für typische Situationen

Diese Werte sind Startpunkte, keine Gesetze. Mach ein Testbild, prüfe das Histogramm und korrigiere dann.

SituationModusBlendeZeitISO
Porträt draussenA / Avf/2 – f/2.8ab 1/250 s100 – 400
GruppenfotoA / Avf/5.6 – f/8ab 1/200 s100 – 800
Landschaft mit StativA / Avf/8 – f/11automatisch100
Sport und ActionS / Tvoffenab 1/1000 sAuto-ISO
Langzeitbelichtung WasserMf/8 – f/111 – 30 s mit ND-Filter100
Blaue Stunde StadtMf/82 – 15 s100
FeuerwerkM oder Bulbf/8 – f/112 – 8 s100
MilchstrasseMf/1.8 – f/2.815 – 25 s3200 – 6400

Die blaue Stunde dauert nach Sonnenuntergang meist nur 20 bis 40 Minuten. In Luzern lohnt es sich, schon vorher am Seeufer oder bei der Kapellbrücke aufgebaut zu haben – wenn die Lichter der Altstadt angehen und der Himmel noch tiefblau ist, bleibt nicht viel Zeit für die Suche nach dem Standort. Für Bilder mit langen Zeiten findest du alles Weitere im Artikel zur Langzeitbelichtung.

ND-Filter umrechnen

FilterStufenAus 1/125 s wird ca.
ND831/15 s
ND6461/2 s
ND1000108 s

500er-Regel für Sterne

Damit Sterne punktförmig bleiben, teilst du 500 durch die Brennweite (mal Cropfaktor). Bei 20 mm an Vollformat ergibt das maximal 25 Sekunden. Bei hochauflösenden Sensoren ist die Regel eher grosszügig – wähle die Zeit lieber etwas kürzer.

Bildkomposition in fünf Regeln

Technik sorgt für ein korrekt belichtetes Bild, Komposition für ein gutes. Diese fünf Punkte decken das meiste ab:

  • Drittelregel: Platziere das Hauptmotiv auf einer der Drittellinien statt in der Mitte.
  • Führende Linien: Wege, Ufer oder Geländer führen den Blick ins Bild.
  • Vordergrund: Ein Element im Vordergrund gibt Landschaften Tiefe.
  • Rand prüfen: Kontrolliere vor dem Auslösen die Bildränder auf störende Elemente.
  • Augenhöhe wechseln: Geh in die Knie oder such einen erhöhten Standpunkt.

Ausführlich mit Beispielen: Bildkomposition: Goldener Schnitt und Drittelregel.

Checkliste vor jedem Shooting

Die meisten verpassten Bilder scheitern nicht an der Technik, sondern an Kleinigkeiten. Diese Liste gehe ich vor jedem Auftrag durch:

  1. Akkus geladen, Ersatzakku eingepackt
  2. Speicherkarten formatiert, Ersatzkarte dabei
  3. ISO, Weissabgleich und Belichtungskorrektur vom letzten Einsatz zurückgesetzt
  4. Bildformat geprüft (RAW, JPEG oder beides)
  5. Objektive und Sensor sauber
  6. Wetter und Sonnenstand für den Ort geprüft
  7. Bei Kundenaufträgen: Shotlist und Ansprechperson vor Ort bekannt

Für Porträts lohnt sich zusätzlich der Blick in die Porträtfotografie-Tipps, für mehrere Personen die Tipps zu Gruppenfotos.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was gehört auf einen Fotografie Spickzettel?

Die wichtigsten Werte für Blende, Verschlusszeit und ISO, Richtwerte für typische Motive, Kelvin-Werte für den Weissabgleich, Faustregeln wie die Sunny-16- oder 500er-Regel und eine kurze Checkliste vor dem Shooting.

Welche Einstellung ist für Anfänger am besten?

Starte mit der Zeitautomatik (A oder Av). Du wählst die Blende für die gewünschte Schärfentiefe, die Kamera passt die Verschlusszeit an. Kontrolliere, dass die Zeit nicht zu lang wird, und erhöhe sonst die ISO.

Wie verhindere ich verwackelte Fotos?

Halte die Verschlusszeit mindestens bei 1 geteilt durch die Brennweite, bei Crop-Kameras multipliziert mit dem Cropfaktor. Ein Bildstabilisator gibt zusätzlichen Spielraum, hilft aber nicht gegen Bewegung des Motivs.

Welche Blende für scharfe Landschaftsfotos?

Meist f/8 bis f/11. Dort sind die meisten Objektive am schärfsten und die Schärfentiefe reicht vom Vorder- bis zum Hintergrund. Ab etwa f/16 sinkt die Schärfe durch Beugung.

Was ist die Sunny-16-Regel?

Bei Sonnenschein belichtest du mit Blende f/16 und einer Verschlusszeit von 1 geteilt durch den ISO-Wert, also bei ISO 100 etwa 1/100 oder 1/125 Sekunde. Von dort kannst du stufenweise auf andere Kombinationen umrechnen.

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