Nach einem Event-Shooting liegen schnell 1500 Bilder im Katalog. Die Hälfte davon fliegt sowieso raus: geschlossene Augen, Doppelungen, verpasster Fokus. Trotzdem schaust du dir jedes einzelne an. Dazu kommen Stichwörter, Bildtitel und Beschreibungen – Arbeit, die niemand gerne macht, die aber für Bildagenturen, Kunden und deine eigene Suche zählt.
Claude kann dir bei genau diesen Schritten einen Teil der Arbeit abnehmen. Nicht als Ersatz für deinen Blick, sondern als Assistent, der vorsortiert, Texte vorschlägt und Fragen zu Lightroom beantwortet. In diesem Beitrag zeige ich dir, was realistisch funktioniert und wo die Grenzen liegen.
Der Beitrag gehört zum Special Claude für Fotografen. Wenn du Claude noch nicht kennst, lies zuerst den Einstieg Claude für Fotografen: Was die KI wirklich kann.
Was Claude beim Culling kann – und was nicht
Vorweg das Wichtigste: Claude hat keinen Zugriff auf deinen Lightroom-Classic-Katalog. Das gilt auch für den Adobe-Connector, den ich im Beitrag Claude und Photoshop vorstelle. Claude kann deine Bilder also nicht direkt im Katalog bewerten, markieren oder verschieben.
Was Claude kann: Bilder ansehen, die du in den Chat lädst, und sie nach deinen Kriterien beurteilen. Daraus ergibt sich ein sinnvoller Einsatzbereich:
| Aufgabe | Eignung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Offensichtliche Ausschüsse erkennen (Augen zu, stark verwackelt, abgeschnitten) | gut | Bei kleinen Vorschauen zuverlässig für grobe Fehler |
| Aus einer Serie das stärkste Bild wählen | gut | Ausdruck, Gestik, Komposition |
| Feine Schärfe auf den Augen prüfen | eingeschränkt | Dafür brauchst du die 100-Prozent-Ansicht in Lightroom |
| Ganze Shootings mit Tausenden Bildern sortieren | ungeeignet | Zu viele Uploads, dafür gibt es spezialisierte Tools |
Für die automatische Vorauswahl direkt im Katalog sind spezialisierte Programme besser geeignet. Einen Überblick gibt mein Lightroom Classic KI-Review sowie die Reviews zu Excire Foto und Peakto.
Workflow: Vorauswahl mit Vorschau-JPEGs
Wo Claude beim Culling hilft, ist die zweite Runde: Du hast die groben Ausschüsse bereits aussortiert und musst dich nun zwischen ähnlichen Bildern entscheiden. So gehst du vor:
- Markiere in Lightroom die Kandidaten, zum Beispiel alle Bilder einer Serie mit einem Stern.
- Exportiere sie als kleine JPEGs, etwa mit 1200 Pixel an der langen Kante. Behalte die Original-Dateinamen bei.
- Lade die Vorschauen in einen Chat oder in ein Claude-Projekt.
- Gib Claude deine Kriterien und lass dir eine Tabelle mit Dateiname, Bewertung und Begründung erstellen.
- Übertrage die Entscheidung in Lightroom, indem du nach Dateinamen filterst und selbst die Sterne oder Farbmarkierungen setzt.
Kleine Vorschauen haben zwei Vorteile: Sie laden schneller, und du gibst keine hochaufgelösten Kundenbilder aus der Hand. Mehr zum Thema Kundenbilder und Datenschutz steht im Einstiegsartikel.
Prompt-Vorlage für die Bildauswahl
Du hilfst mir bei der Bildauswahl eines [Shooting-Art, z. B. Business-Porträt].
Ich lade dir [Anzahl] Vorschaubilder hoch. Beurteile jedes Bild nach diesen Kriterien:
1. Augen offen und Blick passend
2. Ausdruck natürlich und vorteilhaft
3. Keine störenden Elemente am Bildrand
4. Komposition
Erstelle eine Tabelle mit: Dateiname | Bewertung 1–5 | Begründung in einem Satz.
Markiere am Schluss die drei stärksten Bilder.
Wenn du etwas nicht sicher beurteilen kannst (z. B. Schärfe), schreib das dazu.
Der letzte Satz ist wichtig. Er sorgt dafür, dass Claude Unsicherheiten offen benennt, statt eine Bewertung zu erfinden.
Stichwörter und Metadaten mit Claude
Bei Stichwörtern, Titeln und Beschreibungen spielt Claude seine Stärke aus: Texte erzeugen, die zum Bild passen und einer festen Struktur folgen.
Stichwörter für Lightroom
Lade ein Bild hoch und lass dir eine Stichwortliste erstellen. Die Liste kannst du in Lightroom Classic direkt in das Feld «Stichwörter hinzufügen» einfügen – kommagetrennt werden daraus einzelne Stichwörter.
Erstelle für dieses Foto 25 Stichwörter auf Deutsch, kommagetrennt, ohne Nummerierung.
Reihenfolge: Hauptmotiv, Ort, Stimmung, Farben, Bildtechnik, Verwendungszweck.
Ort: [z. B. Luzern, Kapellbrücke]. Erfinde keine Orte oder Namen, die nicht sichtbar oder angegeben sind.
Danach dieselbe Liste auf Englisch.
Wenn du eine einheitliche Stichwort-Hierarchie aufbauen willst, kann Claude dir auch eine Textdatei im Format erstellen, das Lightroom Classic über «Metadaten > Stichwörter importieren» einliest: ein Stichwort pro Zeile, Unterbegriffe mit Tabulator eingerückt. Prüfe die Datei vor dem Import an einem Testkatalog.
Titel und Bildbeschreibungen
Für Bildagenturen, deinen Webshop oder Alt-Texte auf der Website kannst du Claude Titel und Beschreibungen schreiben lassen. Lege die Vorgaben einmal in einem Projekt fest, etwa maximale Zeichenzahl, Sprache und Stil. Dann reicht künftig das Bild.
| Feld | Typische Vorgabe |
|---|---|
| Titel | max. 70 Zeichen, sachlich, Hauptmotiv und Ort |
| Beschreibung | 1–2 Sätze, was zu sehen ist |
| Alt-Text Website | max. 125 Zeichen, beschreibend, ohne «Bild von» |
Wenn du viele Bilder mit Metadaten versorgen musst, lohnt sich ein Blick auf spezialisierte Verschlagwortungs-Tools wie digiKam oder Excire Search, die direkt mit deinen Dateien arbeiten.
Lightroom-Fragen im Chat lösen
Ein oft unterschätzter Nutzen: Claude kennt Lightroom gut und erklärt Funktionen, Einstellungen und Fehlermeldungen verständlich. Typische Fragen, die sich so schnell klären lassen:
- «Wie synchronisiere ich die Entwicklungseinstellungen auf 200 Bilder, aber ohne Zuschnitt?»
- «Mein Katalog ist langsam geworden. Was kann ich prüfen?»
- «Was ist der Unterschied zwischen Dynamik und Sättigung?»
- «Wie richte ich einen Export ein, der Bilder für Instagram im Hochformat ausgibt?»
Lade bei Bedarf einen Screenshot deiner Lightroom-Oberfläche hoch. Claude sieht dann, welche Regler du gesetzt hast, und kann gezielter antworten. Weil sich Menüs mit Updates ändern, gib am besten deine Lightroom-Version mit an. Die Grundlagen zum Katalog findest du im Beitrag Lightroom Katalog und Import.
Bildkritik vor der Bearbeitung
Du kannst Claude auch ein unbearbeitetes Bild zeigen und nach Bearbeitungsvorschlägen fragen. Claude schlägt dann zum Beispiel vor, die Lichter zu senken, die Tiefen anzuheben oder den Horizont zu begradigen. Konkrete Reglerwerte sind dabei nur Richtwerte – das endgültige Feintuning machst du am kalibrierten Monitor. Wer einen eigenen Look konsequent anwenden will, arbeitet besser mit Lightroom Presets.
Eigene Lightroom-Plugins und Skripte
Für Fortgeschrittene: Lightroom Classic lässt sich mit Plugins in der Programmiersprache Lua erweitern. Claude kann solchen Code schreiben und erklären, auch wenn du selbst nicht programmierst. Denkbare Anwendungen sind etwa ein Plugin, das Dateinamen nach einem festen Schema umbenennt, oder ein Werkzeug, das Metadaten aus einer Tabelle übernimmt.
Das funktioniert, braucht aber Geduld: Plugins musst du testen, Fehlermeldungen an Claude zurückgeben und mehrere Runden einplanen. Arbeite dabei immer mit einer Kopie deines Katalogs.
Grenzen und Datenschutz
Damit du realistisch planen kannst, hier die wichtigsten Einschränkungen:
- Kein Katalogzugriff: Bewertungen und Stichwörter musst du selbst in Lightroom übertragen.
- Keine RAW-Entwicklung: Arbeite mit JPEG-Vorschauen, die RAW-Bearbeitung bleibt in Lightroom.
- Fehler möglich: Claude kann Details übersehen oder falsch einordnen. Die Endauswahl triffst immer du.
- Kundenbilder: Prüfe, ob du Bilder deiner Kunden in ein KI-Tool laden darfst, und nutze verkleinerte Vorschauen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann Claude direkt in Lightroom Bilder bewerten?
Nein. Claude hat keinen Zugriff auf den Lightroom-Classic-Katalog. Du exportierst Vorschauen, lässt sie von Claude beurteilen und überträgst die Bewertung selbst in Lightroom.
Wie viele Bilder kann ich Claude für das Culling zeigen?
Claude eignet sich für eine Serie von Kandidaten, nicht für komplette Shootings mit Tausenden Bildern. Für die Vorauswahl ganzer Shootings sind spezialisierte Tools mit Katalogzugriff besser geeignet.
Kann Claude Stichwörter für Lightroom erstellen?
Ja. Claude erstellt aus einem hochgeladenen Bild kommagetrennte Stichwörter, die du direkt in Lightroom einfügen kannst, und auf Wunsch auch eine Textdatei für den Stichwort-Import.
Ersetzt Claude ein KI-Culling-Tool?
Nein. Claude hilft bei der Entscheidung innerhalb kleiner Serien und bei Texten. Für das automatische Aussortieren grosser Bildmengen im Katalog sind spezialisierte Programme schneller.
Darf ich Kundenbilder in Claude hochladen?
Das hängt von deiner Vereinbarung mit dem Kunden ab. Kläre das vorab, nutze verkleinerte Vorschauen und prüfe die Datenschutzeinstellungen deines Claude-Kontos.