Wenn im Januar die Luzerner Altstadt nach 18 Uhr in Farbe getaucht wird, ist das für Fotografinnen und Fotografen eine der dankbarsten Zeiten des Jahres. Dunkle Abende, Wasser als Spiegelfläche, historische Fassaden als Leinwand: Das Lilu Lichtfestival Luzern liefert Motive, die du sonst nirgends in der Zentralschweiz findest.
Als ich am Lilu fotografiert habe, war die grösste Herausforderung nicht die Dunkelheit, sondern das Gegenteil: zu viel Licht an den falschen Stellen. Projektionen und LED-Installationen sind deutlich heller, als die Kamera-Automatik erwartet. Wer das versteht, holt aus jedem Abend saubere, farbintensive Bilder heraus.
In diesem Beitrag erfährst du, welche Ausrüstung und Einstellungen sich bewähren, wie du mit dem Smartphone gute Lilu-Fotos machst und wie du Menschenmassen kreativ statt störend einsetzt.
Was ist das Lilu Lichtfestival Luzern?
Das Lilu ist ein jährliches Lichtfestival, bei dem Kunstschaffende Plätze, Sehenswürdigkeiten und Gassen in der Luzerner Altstadt sowie rund um das Seebecken mit Lichtinstallationen und Projektionen bespielen. Die Installationen sind entlang eines Rundgangs verteilt, den du zu Fuss abläufst.
| Info | Lilu 2027 |
|---|---|
| Datum | 14. bis 24. Januar 2027 |
| Zeiten | täglich 18.00 bis 22.00 Uhr |
| Ort | Altstadt Luzern und Seebecken |
| Eintritt | gratis, ausser Lichtshow «Soul» in der Jesuitenkirche (CHF 18.–) |
| Lilu-Bändeli | CHF 10.– (Early Bird CHF 8.–), freiwilliger Supporter-Beitrag |
| Angebote | Lilu-Fotowalk (Handy-Fotokurs), geführte Rundgänge |
| Infos | luzern.com |
Der Rundgang unter freiem Himmel ist gratis, einzig für die Lichtshow «Soul» in der Jesuitenkirche bezahlst du Eintritt. Mit dem Lilu-Bändeli für CHF 10.– (Early Bird CHF 8.–) unterstützt du das Festival direkt: Der Erlös hilft, die internationale Lichtkunst zu finanzieren.
Die richtige Ausrüstung: Kamera, Objektiv und Stativ
Für das Lilu brauchst du keine grosse Ausrüstung. Entscheidend ist ein lichtstarkes Objektiv und die Frage, ob du schnell aus der Hand oder ruhig mit Stativ arbeiten willst.
- Kamera: Jede Kamera mit manuellem Modus und RAW-Format. Ein Sensor mit gutem Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten ist ein Vorteil.
- Objektiv: Eine lichtstarke Festbrennweite (z. B. 35 mm f/1.8) für Aufnahmen aus der Hand, ein Weitwinkel (16 bis 24 mm) für grosse Installationen und Gebäudeprojektionen.
- Stativ: Für Langzeitbelichtungen und Spiegelungen auf der Reuss. Ein kompaktes Reisestativ reicht.
- Ersatzakkus: Im Januar entladen sich Akkus in der Kälte schneller. Trage sie in der Innentasche.
- Handschuhe: Am besten solche mit freien Fingerkuppen, damit du die Kamera bedienen kannst.
Kamera-Einstellungen für Lichtinstallationen
Fotografiere im manuellen Modus oder in der Zeitautomatik mit Belichtungskorrektur. Falls du die Modi noch nicht sicher beherrschst, hilft dir der Beitrag zu den Kamera-Modi für Einsteiger.
| Situation | Blende | Belichtungszeit | ISO |
|---|---|---|---|
| Aus der Hand, Übersicht | f/2.8 bis f/4 | 1/60 bis 1/125 s | 1600 bis 3200 |
| Aus der Hand, Details | f/1.8 bis f/2.8 | 1/125 s | 800 bis 1600 |
| Stativ, statische Installation | f/8 | 1 bis 4 s | 100 bis 400 |
| Stativ, Personen verwischen | f/11 | 5 bis 15 s | 100 |
Belichtung: Lieber knapp als zu hell
Die Mehrfeldmessung sieht viel Schwarz und belichtet entsprechend hoch. Die Folge sind ausgefressene Lichter, in denen Farbe und Struktur verloren gehen. Stelle eine Belichtungskorrektur von -1 bis -2 Blendenstufen ein und kontrolliere das Histogramm: Die rechte Seite darf nicht anschlagen. Schatten kannst du später im RAW problemlos aufhellen, ausgefressene Lichter nicht.
Weissabgleich fixieren
Der automatische Weissabgleich versucht, die farbigen Lichter zu neutralisieren. Stelle ihn fix ein, zum Beispiel auf Tageslicht oder rund 4000 bis 5000 Kelvin. So bleiben die Farben so, wie die Künstler sie gedacht haben, und deine Serie wirkt einheitlich.
Animierte Projektionen
Viele Installationen verändern sich laufend. Bei Projektionen auf Fassaden lohnt es sich, eine ganze Sequenz zu beobachten, bevor du auslöst. Nutze Serienbildmodus und kurze Belichtungszeiten, sonst überlagern sich mehrere Projektionsphasen zu einem unscharfen Farbbrei.
Lilu mit dem Smartphone fotografieren
Ein aktuelles Smartphone schafft am Lilu erstaunlich gute Bilder. Die grössten Fehler entstehen auch hier durch Überbelichtung.
Wenn du das direkt vor Ort lernen willst: Im Lilu-Fotowalk zeige ich dir in zwei Stunden, wie du mit dem Handy am Lichtfestival fotografierst, von Nachtmodus und Haltetechnik über Reflexionen und Weissabgleich bis zur Nachbearbeitung. Maximal 12 Personen, für alle Handy-Marken, mit persönlichem Feedback zu deinen Bildern.
- Tippe auf die hellste Stelle der Installation und ziehe den Belichtungsregler leicht nach unten.
- Nutze den Nachtmodus für statische Installationen und halte das Handy dabei ruhig oder stütze es auf einem Geländer ab.
- Deaktiviere den Nachtmodus bei animierten Projektionen, damit die Bilder nicht verwischen.
- Fotografiere wenn möglich im RAW-Format (z. B. Apple ProRAW), um mehr Spielraum in der Bearbeitung zu haben.
- Vermeide den digitalen Zoom. Geh lieber ein paar Schritte näher ran.
Perspektiven und Bildideen in der Luzerner Altstadt
Das typische Lilu-Foto ist die Installation frontal von vorne. Spannender wird es, wenn du die Lichtkunst in Beziehung zu ihrer Umgebung setzt.
- Spiegelungen: Installationen am Wasser spiegeln sich in der Reuss und im Seebecken. Geh tief mit der Kamera und nutze eine längere Belichtungszeit, um die Wasseroberfläche zu glätten.
- Kontext zeigen: Kombiniere Installationen mit Wahrzeichen wie Kapellbrücke, Wasserturm oder Jesuitenkirche. So erkennt man sofort, dass das Bild in Luzern entstanden ist.
- Silhouetten: Besucher vor einer hellen Installation werden zu dunklen Silhouetten. Belichte auf das Licht, nicht auf die Personen.
- Details: Geh nah ran und fotografiere Strukturen, Farbverläufe und einzelne Lichtpunkte. Mit offener Blende entsteht schönes Bokeh.
- Ungewöhnliche Standorte: Brücken und Uferpromenaden bieten oft einen erhöhten oder seitlichen Blick, den die meisten Besucher auslassen.
Menschenmassen und Bewegung kreativ nutzen
Am Lilu bist du selten allein. Statt die Besucher als Störung zu sehen, kannst du sie gezielt ins Bild einbauen.
Mit dem Stativ und Belichtungszeiten von 5 bis 15 Sekunden werden laufende Menschen zu weichen Bewegungsspuren, während die Installation scharf bleibt. Das vermittelt Atmosphäre und zeigt, dass das Festival lebt. Mehr zu dieser Technik findest du im Beitrag zur Langzeitbelichtung.
Willst du die Installation ohne Menschen, gibt es zwei Wege: früh am Abend kommen, oder mehrere Aufnahmen vom Stativ machen und die Personen später in Photoshop mit dem Median-Stapelmodus herausrechnen.
Bildbearbeitung: Farben und Lichter richtig entwickeln
Lichtfestival-Bilder leben von satten Farben, kippen aber schnell ins Künstliche. Diese Schritte haben sich in Lightroom bewährt:
- Lichter reduzieren: Regler Lichter deutlich nach links, um Struktur in hellen Flächen zurückzuholen.
- Schwarz setzen: Der Nachthimmel darf dunkel bleiben. Zu stark aufgehellte Schatten wirken grau und verrauscht.
- Farben gezielt anpassen: Im HSL-Bereich einzelne Farbtöne steuern, statt global die Sättigung zu erhöhen.
- Rauschen entfernen: Die KI-Rauschreduzierung in Lightroom holt bei ISO 3200 viel heraus.
- Stürzende Linien korrigieren: Bei Gebäudeprojektionen mit dem Weitwinkel lohnt sich die Upright-Korrektur.
Die wichtigsten Werte für Nachtaufnahmen auf einen Blick findest du übrigens im Fotografie-Spickzettel.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann findet das Lilu Lichtfestival Luzern 2027 statt?
Das Lilu Lichtfestival Luzern findet vom 14. bis 24. Januar 2027 statt. Die Lichtinstallationen sind täglich von 18.00 bis 22.00 Uhr in Betrieb.
Welche Kamera-Einstellungen eignen sich für das Lilu?
Aus der Hand bewährt sich Blende f/2.8 bis f/4, 1/60 bis 1/125 Sekunde und ISO 1600 bis 3200. Mit Stativ arbeitest du mit ISO 100 bis 400, Blende f/8 und Belichtungszeiten von 1 bis 4 Sekunden. Belichte eher knapp, damit die Lichter nicht ausfressen.
Kann ich am Lilu mit dem Smartphone fotografieren?
Ja. Aktuelle Smartphones liefern dank Nachtmodus gute Ergebnisse. Tippe auf die hellste Stelle der Installation und reduziere die Belichtung leicht, damit Farben und Strukturen im Licht erhalten bleiben.
Wann ist die beste Zeit zum Fotografieren am Lilu?
Direkt nach 18 Uhr ist der Himmel im Januar meist schon dunkel, die Besucherzahl aber oft noch tiefer als später am Abend. Wer Installationen ohne Menschen will, kommt früh oder unter der Woche.
Brauche ich ein Stativ am Lilu?
Nein, aber es erweitert deine Möglichkeiten: Mit Stativ kannst du lange Belichtungszeiten nutzen, Besucher verwischen lassen und Spiegelungen auf dem Wasser glätten. Aus der Hand bist du dafür schneller und flexibler.