Affinity Update 09/2026: News für Fotografen

by Roman Beer

Wer Fotos bearbeiten will, landet fast automatisch bei Adobe. Lightroom und Photoshop sind der Standard, und das Foto-Abo ist fair bepreist. Sobald du aber auch Vektorgrafiken oder Layouts gestalten willst, brauchst du Illustrator oder InDesign und damit ein deutlich teureres Abo. Genau an diesem Punkt wird Affinity spannend: Die Software deckt Fotobearbeitung, Vektorgrafik und Layout in einer App ab und ist kostenlos.

Ich arbeite mich gerade selbst in Affinity ein, vor allem wegen der Vektorgrafiken. Umso mehr hat mich interessiert, was das September-Update 2026 bringt. Laut Affinity sind es über 60 neue Funktionen und Verbesserungen, darunter das bisher grösste Update für die Fotobearbeitung.

In diesem Beitrag findest du zuerst alle Neuerungen, die für Fotografen relevant sind. Danach folgen die Funktionen für Design und Layout sowie ein Vergleich mit Adobe.

Die neuen Foto-Funktionen im Affinity Update

Affinity selbst bezeichnet dieses Release als grösstes Update für die Fotobearbeitung. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Presets für die RAW-Entwicklung

Du kannst deinen fertigen Look im Studio «Entwickeln» jetzt als Vorgabe speichern und auf ein ganzes Shooting anwenden. Die Presets sind global verfügbar, also nicht an ein einzelnes Dokument gebunden. Sie funktionieren auch bei Panorama, HDR-Kombination, Fokuskombination und Stapelverarbeitung.

Für alle, die aus Lightroom kommen, ist das die wohl wichtigste Neuerung. Ohne Presets war eine einheitliche Bearbeitung von 200 Bildern bisher mühsam. Falls du noch unsicher bist, ob du überhaupt in RAW fotografieren sollst: Hier findest du den Vergleich RAW vs JPG.

Neue Werkzeuge für Farbe, Schärfe und Details

  • Sättigungs- und Farbtonkurven: Neue spline-basierte Kurven, als Anpassungsebene mit Maske oder direkt im Studio «Entwickeln».
  • Detailverfeinerung: Zusätzliche Optionen mit Multiband und Hochpass.
  • Wavelet-Rauschreduzierung: Auch im Studio «Entwickeln» verfügbar. Sie gehört nicht zu den kostenpflichtigen KI-Funktionen.
  • Kurven-Pipetten: Neue Pipetten für Schwarzpunkt, Weisspunkt, Graupunkt und Weissabgleich.
  • Kanalinversion in den Tonwerten: Mit den Optionen Infrarot und Negativ. Das ist interessant, wenn du alte Negative digitalisierst.
  • Selektive Farbe: Funktioniert jetzt mit Masken.
  • Masken im Studio «Entwickeln»: Masken lassen sich duplizieren und invertieren.

Das neue Masken-Werkzeug

Mit dem Werkzeug «Maske» erstellst du automatisch eine gemalte Maske oder eine Verlaufsmaske. Es steht in den Studios Pixel, Bildmontage und Astrofotografie zur Verfügung. Dazu kommen neue Rand- und Verlaufsoptionen für das Objektauswahl-Werkzeug.

Neue Kameras und Objektivprofile

Die RAW-Engine wurde aktualisiert. Neu unterstützt werden unter anderem:

  • Sony A7V (ILCE-7M5), jetzt auch mit komprimierten RAW-Dateien
  • Sony A7RVI (ILCE-7RM6)
  • Panasonic DC-L10
  • Pixii Plus (A1571)

Zusätzlich gibt es neue Objektivprofile für die Objektivkorrektur.

Astrofotografie-Studio

Für Astrofotografen gibt es einen eigenen Arbeitsbereich im Studio «Astrofotografie». Er bietet:

  • Trennung von Sternen und Hintergrund
  • automatisches Entfernen des Hintergrunds (z. B. Lichtverschmutzung)
  • Strukturverstärkung und Farbkalibrierung
  • ein Astro-Dehnungswerkzeug (Stretching) und Wavelet-Rauschreduzierung
  • ein Panel für Plate Solving
  • verbessertes Stacking

Wer bisher für Astroaufnahmen auf Spezialsoftware angewiesen war, kann einen Teil des Workflows jetzt in Affinity erledigen. Wie weit man ohne Stativ und Teleskop kommt, zeigt übrigens mein Test Vollmond fotografieren mit dem iPhone.

KI-Funktionen: Was sie können und was sie kosten

Das Update bringt mehrere Funktionen auf Basis von maschinellem Lernen:

FunktionWofür
Rauschreduzierung (Denoise)Verrauschte Aufnahmen bei hohem ISO retten
Bewegungsunschärfe reduzieren (Deblur)Leicht verwackelte Bilder schärfen
Mischlicht korrigierenWeissabgleich bei mehreren Lichtquellen, z. B. Tageslicht und Kunstlicht im gleichen Raum
SDR zu HDREchtes HDR aus einem einzelnen Bild erzeugen
Ebene zerlegenEin flaches Bild in separate, editierbare Ebenen aufteilen
Generatives HochskalierenBilder vergrössern, originalgetreu oder mit zusätzlichen Details

Wichtig: Diese Funktionen gehören zum Studio «Canva AI». Sie brauchen ein Canva-Premium-Abo und sind nicht Teil der kostenlosen Version. Laut Affinity werden deine Dateien nicht zum Training von KI genutzt, weil sie lokal auf deinem Gerät gespeichert bleiben.

Mehr dazu, wie KI den Alltag von Fotografen verändert, liest du im Beitrag KI für Fotografen.

Affinity in Kürze: die kostenlose Alternative zu Adobe

Affinity gehört heute zu Canva und vereint Fotobearbeitung, Vektorgrafik und Layout in einer einzigen App. Die Grundversion mit allen Foto-, Vektor- und Layout-Werkzeugen ist kostenlos. Kosten fallen nur an, wenn du die KI-Funktionen über Canva Premium nutzen willst.

Grob übersetzt ersetzt Affinity damit:

  • Photoshop und Lightroom für Bildbearbeitung und RAW-Entwicklung
  • Illustrator für Logos, Icons und Vektorgrafiken
  • InDesign für Flyer, Broschüren, Fotobücher und Magazine

Für mich war genau das der Grund für den Einstieg: Für Vektorgrafiken hätte ich bei Adobe ein zusätzliches, deutlich teureres Abo gebraucht.

Skripte und Claude-Connector: Routinearbeiten automatisieren

Neu kannst du in Affinity eigene Skripte schreiben, ausführen und in einer Bibliothek speichern. Skripte lassen sich mit anderen Nutzern teilen und funktionieren für Vektor-, Pixel- und Layoutarbeiten im gleichen Dokument.

Wer nicht programmieren kann, lässt sich die Skripte vom KI-Assistenten Claude erstellen. Affinity bietet dafür einen eigenen Connector. Für Fotografen ist das zum Beispiel beim Export in mehreren Formaten oder beim Anbringen von Wasserzeichen interessant.

Für Design und Layout: die weiteren Neuerungen

Wenn du wie ich Affinity auch für Grafik nutzen willst, lohnen sich diese Funktionen:

  • Blend-Werkzeug: Mischt Form, Farbe, Deckkraft, Grösse und Position zwischen zwei oder mehr Objekten. Die Mischung bleibt live editierbar und kann einem Pfad folgen.
  • Kurvenenergie einblenden: Zeigt beim Zeichenstift die Krümmung einer Kurve als «Kamm» an. So erkennst du unsaubere Stellen in Vektorpfaden sofort.
  • Ecken abrunden: Direkt mit dem Knotenwerkzeug über Radius-Griffe.
  • Diffusionskurven: Neuer Verlaufstyp für realistische Lichter, die sich der Form anpassen.
  • InDesign-Import: INDD-Dateien lassen sich direkt öffnen, ohne Umweg über IDML. Auch Microsoft Publisher (.PUB) wird unterstützt.
  • 3D-Modelle: GLB-Dateien können platziert und auf der Seite gedreht werden.
  • Canva-Anbindung: Datenzusammenführung aus Canva Sheets und Synchronisierung mit dem Canva-Markenkit.
  • Feature-Suche: Im Hilfe-Menü findest du Werkzeuge und Menüpunkte schnell per Suche. Das ist gerade beim Einarbeiten sehr praktisch.

Affinity oder Adobe: Für wen lohnt sich der Umstieg?

AffinityAdobe
Kosten GrundversionkostenlosAbo
Vektorgrafik und Layoutin derselben App enthaltenIllustrator und InDesign erfordern ein zusätzliches bzw. grösseres Abo
KI-Funktionenmit Canva Premiumim Adobe-Abo enthalten (mit Kontingent)
RAW-Presets für ganze Shootingsneu seit September 2026seit Jahren Standard in Lightroom
Bildverwaltung und Katalogkein Katalog wie in LightroomLightroom-Katalog und Cloud-Sync
Dateienlokal gespeichertlokal und Cloud

Affinity lohnt sich für dich, wenn du als Hobbyfotograf kein Abo zahlen willst oder neben Fotos auch Logos, Flyer oder Fotobücher gestaltest.

Bei Adobe bleiben solltest du, wenn du viele Bilder verwaltest und auf den Lightroom-Katalog angewiesen bist. Was Lightroom zuletzt neu gebracht hat, liest du im Beitrag Lightroom Update Mai 2026.

Alle Neuerungen im Detail findest du in den offiziellen Versionshinweisen von Affinity und im Affinity-Blog zum Update. Einen Überblick als Video gibt es hier auf YouTube.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Affinity wirklich kostenlos?

Ja. Die Grundversion mit allen Werkzeugen für Fotobearbeitung, Vektorgrafik und Layout ist kostenlos. Nur die KI-Funktionen im Studio «Canva AI» erfordern ein Canva-Premium-Abo.

Kann Affinity RAW-Dateien bearbeiten?

Ja. Affinity hat ein eigenes Studio «Entwickeln» für RAW-Dateien. Seit dem September-Update 2026 kannst du dort auch Presets speichern und auf mehrere Bilder anwenden.

Ist die KI-Rauschreduzierung in Affinity gratis?

Nein. Die ML-basierte Rauschreduzierung (Denoise) gehört zu den Canva-AI-Funktionen und braucht Canva Premium. Kostenlos verfügbar ist die klassische Wavelet-Rauschreduzierung.

Kann Affinity Photoshop und Illustrator ersetzen?

Für die meisten Hobbyfotografen und viele Kreative ja. Affinity deckt Bildbearbeitung, Vektorgrafik und Layout in einer App ab. Einen Bildkatalog wie in Lightroom bietet Affinity allerdings nicht.

Kann Affinity InDesign-Dateien öffnen?

Ja. Seit dem September-Update 2026 lassen sich INDD-Dateien direkt importieren, ohne vorherigen Export als IDML.