«Ich fotografiere alles, was Spass macht.» Diesen Satz höre ich oft, wenn ich mit Fotografinnen und Fotografen über ihr Angebot spreche. Verständlich – aber für Kunden ist das schwer greifbar. Wer alles anbietet, wird für nichts Bestimmtes gefunden und landet schnell im Preisvergleich.
Eine klare Positionierung zu finden, ist anstrengend, weil du dich festlegen musst. Genau hier ist Claude ein guter Sparringpartner: Er stellt Fragen, spiegelt dir deine Antworten zurück, formuliert Varianten und hält deine Entscheidungen am Ende in einem Brand-Guide fest. Die Entscheidungen selbst triffst du.
Der Beitrag gehört zum Special Claude für Fotografen. Die Grundlagen zu Projekten und Skills findest du im Einstieg Claude für Fotografen: Was die KI wirklich kann.
Warum Positionierung für Fotografen zählt
Positionierung beantwortet drei Fragen: Für wen fotografierst du? Welches Problem löst du? Warum gerade du? Wer diese Fragen klar beantworten kann, profitiert mehrfach:
- Sichtbarkeit: Suchmaschinen und KI-Assistenten ordnen dich einem Thema zu, etwa «Business-Porträts Luzern».
- Preise: Spezialisten werden seltener über den Preis verglichen als Generalisten.
- Weiterempfehlung: Kunden können in einem Satz sagen, wofür man dich buchen soll.
- Fokus: Du weisst, welche Anfragen du annimmst und welche nicht.
Positionierung heisst nicht, dass du nur noch eine Sache fotografieren darfst. Es heisst, dass du nach aussen mit einem klaren Schwerpunkt auftrittst.
Ist-Analyse: Claude als kritischer Sparringpartner
Starte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Kopiere den Text deiner Startseite und deiner Über-mich-Seite in den Chat oder lade Screenshots hoch. Wichtig ist, Claude ausdrücklich um Kritik zu bitten – sonst fällt die Antwort freundlicher aus als hilfreich.
Hier sind die Texte meiner Fotografen-Website. Analysiere sie kritisch:
1. Wird in den ersten zwei Sätzen klar, für wen ich fotografiere und was ich anbiete?
2. Welche Aussagen sind austauschbar und könnten auf jeder Fotografen-Website stehen?
3. Was fehlt, damit ein Kunde mich statt eines Mitbewerbers bucht?
Sei direkt und konkret. Keine Komplimente, nur Verbesserungspunkte mit Beispiel.
Zielgruppe schärfen
Im nächsten Schritt lässt du dich von Claude interviewen. Das funktioniert besser, als selbst eine Zielgruppenbeschreibung zu schreiben, weil gezielte Fragen Dinge ans Licht bringen, über die du sonst nicht nachdenkst.
Interviewe mich, um meine ideale Zielgruppe als Fotograf zu definieren.
Stell mir jeweils nur eine Frage und warte auf meine Antwort.
Frag nach: meinen liebsten bisherigen Aufträgen, Kunden, die gut bezahlt haben,
Aufträgen, die mir keine Freude gemacht haben, und meinen Stärken.
Fasse nach 8–10 Fragen zusammen: 1–2 Zielgruppen mit Bedürfnissen, Einwänden und Kanälen.
Gib echte Beispiele aus deinen Aufträgen an. Je konkreter deine Antworten, desto brauchbarer ist die Zusammenfassung. Persönliche Daten deiner Kunden lässt du dabei weg.
Positionierungssatz entwickeln
Aus der Zielgruppe entsteht der Positionierungssatz – ein Satz, der intern als Kompass dient und aus dem du später Headlines ableitest. Eine bewährte Struktur:
| Baustein | Beispiel |
|---|---|
| Für wen | Für KMU und Selbständige in der Zentralschweiz |
| Was | die professionelle Porträts für Website und LinkedIn brauchen |
| Nutzen | sorge ich für Bilder, die kompetent und nahbar wirken |
| Unterschied | in einem Shooting von einer Stunde, auch für Menschen, die sich vor der Kamera unwohl fühlen |
Lass dir von Claude fünf Varianten erstellen und streiche, was nicht zu dir passt. Ein guter Test: Lies den Satz laut vor. Wenn du ihn einem Kunden am Telefon so sagen würdest, passt er.
Tonalität und Markenstimme definieren
Deine Markenstimme legt fest, wie du schreibst – auf der Website, in Offerten, auf Instagram. Claude kann sie aus deinen bestehenden Texten ableiten und in Regeln übersetzen.
Analysiere diese drei Texte von mir und beschreibe meine Tonalität in 5 Regeln.
Formuliere für jede Regel ein Beispiel «so ja» und «so nicht».
Ergänze eine Liste mit Wörtern, die zu mir passen, und Wörtern, die ich vermeiden soll.
Die Ergebnisse brauchst du später in jedem Projekt, etwa für Captions im Beitrag Claude Marketing: Social Media für Fotografen oder für Offerten im Leitfaden Offerte schreiben mit Claude.
Website-Texte und Über-mich-Seite
Mit Positionierung und Tonalität im Projekt kann Claude deine Website-Texte neu formulieren. Arbeite Seite für Seite: zuerst die Startseite, dann die Angebotsseiten, zuletzt die Über-mich-Seite.
Bei der Über-mich-Seite gilt besonders: Claude kennt deine Geschichte nicht. Gib ihm Stichworte zu deinem Werdegang, deiner Arbeitsweise und dem, was Kunden an dir schätzen. Bitte ausdrücklich darum, nichts zu ergänzen, was du nicht genannt hast. So vermeidest du erfundene Auszeichnungen oder Jahreszahlen.
Visuelle Identität: Farben, Schriften, Moodboard
Claude erstellt keine Logos oder Fotos, kann aber bei der visuellen Richtung helfen:
- Farbpaletten: Vorschläge mit HEX-Codes, abgestimmt auf deinen Bildstil. Lade dafür einige deiner typischen Bilder hoch.
- Schriftkombinationen: Vorschläge für Titel- und Fliesstext-Schriften, zum Beispiel aus Google Fonts.
- Moodboard als Seite: Claude kann Farben, Schriften und Beispieltexte als einfache Vorschauseite darstellen, damit du die Wirkung siehst.
- Konsistenz-Check: Lade Screenshots von Website, Instagram und Offerte hoch und lass prüfen, ob der Auftritt einheitlich wirkt.
Für ein Logo oder ein komplettes Corporate Design ist eine Grafikerin oder ein Grafiker nach wie vor die bessere Wahl. Claude hilft dir aber, das Briefing dafür sauber vorzubereiten.
Brand-Guide als Skill speichern
Am Ende fasst du alle Entscheidungen in einem Brand-Guide zusammen: Positionierungssatz, Zielgruppen, Tonalität, Farben, Schriften, Do’s and Don’ts. Lass Claude daraus ein strukturiertes Dokument erstellen.
Diesen Guide kannst du in jedes Claude-Projekt laden oder als Skill hinterlegen. Ein Skill sorgt dafür, dass Claude die Regeln automatisch anwendet, wenn du Inhalte für deine Marke erstellst – egal, ob Caption, Newsletter oder Offerte. So bleibt dein Auftritt konsistent, ohne dass du die Regeln jedes Mal neu erklären musst.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann Claude meine Positionierung als Fotograf entwickeln?
Claude kann dich mit gezielten Fragen durch den Prozess führen, Varianten formulieren und deine Antworten strukturieren. Die Entscheidung, für wen und wofür du stehst, triffst du selbst.
Wie bekomme ich ehrliches Feedback von Claude?
Bitte ausdrücklich um kritische Analyse, nenne konkrete Prüffragen und schreib dazu, dass du keine Komplimente, sondern Verbesserungspunkte mit Beispielen willst.
Kann Claude ein Logo für mich erstellen?
Claude erstellt selbst keine Logos oder Fotos. Claude kann aber Farbpaletten, Schriftkombinationen und ein Briefing für eine Grafikerin oder einen Grafiker vorbereiten.
Was ist ein Brand-Guide als Skill?
Ein Skill ist eine hinterlegte Anleitung, die Claude automatisch anwendet. Speicherst du deinen Brand-Guide als Skill, hält Claude deine Tonalität, Farben und Regeln bei allen Inhalten für deine Marke ein.